Angststörungen/Phobien/Panik


"Angst: Gefühl schaudernder und beengender Erregung das von der kurzfristigen Beklemmung über Formen von Besorgnis, Bestürzung, Lähmung bis zur chronischen Verzweiflung und Panik reicht. Psychologisch wird Angst als Zustand (state anxiety, Erregungsanspannung bei akuter Bedrohung) und Angst als Eigenschaft (trait anxiety dispositionelle Ängstlichkeit, unabhängig von akuter Bedrohung) unterschieden" (dtv-Atlas zur Psychologie, 1995 S. 447)

 

 

 


 

Angst gehört zur Grundausstattung der Gefühlswelt mit dazu, wie Liebe, Freude, Trauer und Wut. Sie hilft uns, damit wir in gefährlichen Situationen schnell reagieren können. Durch die Angstgefühle werden wir vor Gefahrensituationen gewarnt und wir können Gegenmaßnahmen einleiten. Sobald die bedrohliche Situation vorbei ist, verschwindet die Angst wieder. Angst kennen die meisten Menschen in irgendeiner Form.

 

Allerdings gibt es Menschen, die permanent Angstgefühle empfinden und sich auch fürchten, wenn keine Bedrohung existiert. Sie können ihre Angstgefühle nicht kontrollieren. Hier spricht man von einer Angststörung.

 

In wissenschaftlichen Untersuchungen hat man herausgefunden, dass Angstgefühle aus drei unterschiedlichen Anteilen bestehen, die miteinander im Zusammenhang stehen. Es handelt sich dabei um die gedankliche Ebene, die körperliche Ebene und die Verhaltenskomponente. Dies bedeutet nun nicht, dass jeder Betroffene die Angst gleichzeitig auf allen Ebenen spürt. Manche Menschen empfinden die Angstgefühle eher körperlich, während andere sie eher gedanklich wahrnehmen. So ergreift auch jeder andere Verhaltensweisen beim Auftreten von Angstgefühlen.

 


Reaktionsebenen der Angst

 

Gedankliche Ebene:

 

Es konnte nachgewiesen werden, dass nur wenige Millisekunden nötig sind, damit es zu angstfördernden Gedanken kommt. Diese Denkmuster laufen ganz automatisch im Unbewussten ab. Unsere Gedanken und Beurteilungen beeinflussen dabei im wesentlichen unsere Gefühle. Oft handelt es sich dabei um wiederkehrende Denkmuster wie "Ich weiß, dass etwas Schlimmes passieren wird" oder "Mein Kind könnte einen Unfall haben". Auch wird oft intensiv der Körper beobachtet: "Mein Herz rast, ich bekomme bestimmt einen Herzinfarkt". Die Betroffenen spüren häufig ein Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins.

 

 

Körperliche Ebene:

 

Auf der körperlichen Ebene finden wir die objektiv messbaren und beobachtbaren körperlichen Reaktionen die bei Angst entstehen. Eine der häufigsten Symptome der Angst ist das Herzrasen. Die Angstreaktion löst einen beschleunigten Herzschlag aus, damit der Organismus mit mehr Blut und Nährstoffen versorgt werden kann. 

 

Häufig tritt auch Zittern und Unsicherheit auf. Die Betroffenen bekommen weiche Knie. Dies geschieht dadurch, dass sich der Körper in erhöhter Leistungsbereitschaft befindet, da er sich auf Angriff oder Flucht vorbereitet.

 

Typisch für körperliche Angst sind auch Schwindelgefühle. Der Angstschwindel ist ein eher diffuser Schwindel, fühlt sich an wie Benommenheit. Er ist oft verbunden mit Unruhe, Übelkeit. Es kann durch den Schwindel auch die Angst hochkommen, ohnmächtig zu werden.

 

Ist die Angst groß, bekommt man oft schlechter Luft. Atemprobleme bei Angstgefühlen entstehen, weil sich bei Angst beide Lungenflügel weiten, damit sich der Körper besser mit Sauerstoff versorgen kann.Der Sauerstoff kann aber meist nicht bis in die äußeren Bereiche der Lunge gelangen, dies löst dann wiederum ein Gefühl von Atembeklemmung aus. Dies hat wiederum zur Folge, dass sich die Bronchien verkrampfen, und dadurch ein Kloßgefühl im Hals entstehen kann. Auch die Anzahl der Atemzüge erhöht sich und aufgrund dessen, dass keine körperliche Leistung folgt, wird die Atmung flacher. 

 

Menschen die von Angststörungen und Panikattacken betroffen sind, klagen besonders häufig über Beschwerden im Magen-Darm-Trakt. Die Symptome in diesem Bereich sind sehr vielfältig. Sie reichen von starken Blähungen über plötzlichen Durchfall und Verstopfungen bis hin zu krampfartigen Schmerzen und Druckempfindlichkeit. 

Der Magen-Darm-Trakt verfügt über ein eigenes Nervensystem mit rund 100 Millionen Nervenzellen. Im enteralen Nervensystem werden die selben Nervenbotenstoffe produziert wie im Gehirn. Das Gehirn steht im engen Zusammenhang mit dem enteralen Nervensystem. Beim auftreten von Angstgefühlen werden vom Gehirn ausschließlich negative Signale gesendet. Der Magen-Darm-Trakt reagiert sofort auf diese Signale und produziert die entsprechenden Hormone und Botenstoffe.

 

Weitere körperliche Beschwerden, die bei Angst auftreten sind: Erröten, Kribbeln in Armen und Beinen oder auch Hitze- und Kälteschauer, eine vermehrte Aktivität der Schweißdrüsen.

 

Verhaltensebene:

 

Zu den natürlichen Verhaltensweisen der Angst zählen, das Fluchtverhalten und das Schreckverhalten. Heute ist es meist nur noch selten nötig zu flüchten. Trotzdem entscheiden sich sich dennoch viele der Betroffenen für Flucht. Wir finden daher auf der Verhaltensebene häufig ein zunehmendes Rückzugs-, Vermeidungs- und Sicherheitsverhalten. Daraus folgt, dass der Alltag immer schwerer zu bewältigen ist und eine steigende Erwartungsangst (die sogenannte "Angst vor der Angst") entsteht. Daraus können Gefühle von Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Minderwertigkeit und Einsamkeit entstehen.

 


Textbeiträge in der Rubrik "Angststörungen" orientieren sich an ©Hagena, Gebauer: Therapie-Tool Angststörungen, Beltz, 2014